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„Alt sein ist nichts für Feiglinge“

zurück zur vorherigen Seite   |   Artikel am 21. April 2017 eingegeben

„Ich bin ja schon alt“ – diesen Satz kann man bei Ursula Gerken immer öfter mal hören. Sie blickt zurück auf eine gewaltige Zeitspanne mit zwei Weltkriegen. Am 21. April begeht sie ihren hundertsten Geburtstag in der Seniorenresidenz Ellmers in Bremen-Hemelingen und erzählt aus ihrem Leben:

„Ich bin 1917 in das Ende des ersten Weltkrieges hineingeboren worden. Als Kind musste ich viel arbeiten. Meine Mutter hatte eine Näherei, so dass ich die Pakete zu den Kunden schleppen musste. Nach der Schule wurde ich Krankenschwester. Im Krieg war ich als Gemeindeschwester in Schlesien tätig, wo ich mit dem Motorrad zu den Familien in den Dörfern gefahren bin. Mitten im Zweiten Weltkrieg heiratete ich meinen Mann, der von der Ostfront für wenige Tage Urlaub bekommen hatte. Mit meiner Tochter, die gerade auf die Welt gekommen war, musste ich in den letzten Kriegsmonaten aus dem Osten fliehen. Die Nachkriegszeit war eine schwere Zeit für die junge Familie, denn mein Mann hatte Tuberkulose. Wir wohnten auf kleinstem Raum bei Verwandten in Daverden. Später zogen wir nach Bremen, wo mein Mann beruflich Fuß gefasst hatte. Nach der Frühpensionierung meines Mannes begann für uns eine glückliche Zeit, wo wir die Winter am Mittelmeer verbrachten und die Sommer in Bremen. Ein Schlaganfall meines Mannes führte im Jahr 1993 zu einer überstürzten Heimkehr nach Bremen. Eine lange Pflegezeit schloss sich an. Im Jahr 2008 siedelten zuerst mein Mann, dann auch ich in die Seniorenresidenz Ellmers über. Wir gehörten damals noch zu der ersten Belegung des Hauses. 2009 kam mein Sohn durch einen Unglücksfall ums Leben, ein halbes Jahr später starb mein Mann.

Das Leben in meinem Alter ist nicht so einfach: Ich habe Arthrose. Ohne Rollstuhl, ist der Alltag nicht zu schaffen. Das Hören und Sehen hat stark nachgelassen. Bis Weihnachten habe ich noch regelmäßig den „Weser-Kurier“ gelesen. Alt sein ist nichts für Feiglinge.

Zu meinem Geburtstag freue ich mich auf die gemeinsame Feier mit den Angehörigen, besonders aber auf meine Enkelinnen und Enkel, die aus allen Himmelsrichtungen anreisen, aus Berlin, aus Norwegen, aus Hannover und Hamburg.“